Ein Mädchen das erwachsen werden will – Teil 3 – Der missglückte Versuch

Während ich oben in meinem Zimmer für die Schule lernte kochte meine Mutter für uns das Abendessen. Der köstliche Geruch wehte bis zu mir und mein hungriger Magen knurrte verdrießlich. Meine Gedanken schweiften immer wieder zu der magischen Kiste ab und zu der Reaktion meines Vaters. Was hatte er nur gegen Magie? Magie könnte doch nützlich sein und vielleicht kann es mir bei meinem Traum helfen?

Beim Abendessen sprach ich nochmal meinem Papa auf die Kiste an. „Nein, Kassandra! Du hältst dich von diesem Kram fern! Wütend trommelte ich mit meinen Fäusten auf den Tisch. „Aber Papa!“, sagte ich laut. „Vielleicht kann mir die Magie helfen.“ Hoffnungsvoll sah ich ihn an. „Helfen?“ Spuckte er abfällig aus. „Bei was soll dir denn Magie helfen?“ „Erwachsen zu werden!“, gab ich laut und deutlich zurück. Als hätte er sich verhört ruckte er mit seinem Kopf. „Erwachsen werden?“, ungläubig sah er mich an. „Ja“, sagte ich fest. „Ich will erwachsen werden.“ Kraftlos griff er nach dem Stuhl und setzte sich hin. Erschöpft fuhr er sich durchs Gesicht. „Ach Spätzchen.“

Wütend schrubbte ich mir die Zähne. Papa hatte mir überhaupt nicht zugehört! Egal was ich sagte, er winkte alles ab. Ihm war es egal. Ich sollte für immer sein kleines Spätzchen sein, wie es sich gehörte und wie es immer schon war. Pah! So leicht gebe ich nicht auf. Alle werden sich noch wundern.

Mama und Papa guckten wie jeden Abend ihre romantische Serie und ich schlich mich heimlich nach draußen. Ich hatte zufällig gesehen wie Papa die magische Kiste in das Pool Häuschen gebracht hatte und natürlich wollte ich wissen, was noch so alles da drin war.

Als ich die Tür aufmachte und in das dunkle Innere trat hörte ich ein merkwürdiges Gackern. Schnell knipste ich das Licht an und sah in einer Ecke gegenüber der halb zerfallenden Treppe einen roten Papageien. Aufgeregt flatterte er mit seinen farbenfrohen Flügeln und ich ging auf ihn zu. „Hallo mein Kleiner. Wer bist denn du?“ Er flatterte mit den Flügeln „Futter, Futter.“ Sagte er. „Oh du hast Hunger?“ Ich griff in meine Rocktasche und erfühlte noch ein paar Krümel von meinen Keksen, die ich zu Mittag hatte. „Hier, willst du die?“ Ich streckte meine Hand nach oben und ließ die Krümel in seinen leeren Futternapf fallen. Gierig stürzte er sich darauf.

Der Papagei schenkte mir keinerlei Aufmerksamkeit mehr und ich drehte mich zur Treppe. Sie war schon alt und halb zerfallen und noch niemals hatte ich diese Stufen erklommen. Meine Eltern hatte es mir immer verboten, mit der Ausrede das die Treppe mein Gewicht nicht mehr halten würde und ich mich verletzten könnte.  Tief zog ich die staubige Luft ein. Diesmal würde ich meine Eltern ignorieren und da hinauf gehen!“ Langsam setzte ich meinen Fuß auf die erste Stufe und sie knarrte leicht, aber sonst passierte nichts. Mutig stieg ich auch die nächsten Stufen hinauf und war schon in der Mitte angekommen, „Kassandra!“ Ertappt hielt ich inne und drehte mich vorsichtig um. Unten an der Treppe stand mein Papa und sah mich wütend und enttäuscht an. „Du kommst sofort da runter, mein Fräulein!“

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