Die Siedler – Teil 1 – Das neue Land

Lange waren sie schon unterwegs. Die Sonne stand hoch am Himmel und schien ungnädig auf die Familie in ihrem ungeschützten Wagen hinab. Es war heiß und alle waren sie von der Hitze und dem langen Weg erschöpft. Frank kniff leicht seine Augen zusammen und sah einen herannahenden Wagen auf sie zukommen. Als das Strahlen der Sonne leicht nachließ, erkannte er das es sein Sohn Benjamin mit seiner Familie war. Constance erhob sich im Wagen und winkte ihnen energisch und freudestrahlen zu. „Sie bringen bestimmt vielversprechende Neuigkeiten.“ Sagte Emma hoffnungsvoll. Frank hoffte dies auch. Jeder in diesen Wagen hoffte dies. Alle waren sie müde von ihrer Reise voller Strapazen und Entbehrungen.

Emma sollte mit ihrer Hoffnung recht behalten. Sein Sohn Benjamin hatte nach langem Suchen einen geeigneten Platz für alle gefunden. Ein kleines Wäldchen und sogar ein großer See lag in der Nähe. Perfekt für ein neuen Anfang. Erleichtert folgte Frank seinem Sohn und sie hielten auf einen großen freien Platz an. Energisch sprang Benjamin aus seinem Wagen. „Und wie findest du es Pa?“ Frank ließ seinen Blick durch die Umgebung schweifen und ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf sein altes runzliges Gesicht. „Das hast du gut gemacht mein Junge.“ Lobte er stolz seinen einzigen Sohn. Es dauerte nicht lange und alle waren aus den Wagen gestiegen und machten sich emsig ans Werk. Es wurde gehämmert und geschnattert. Die Tiere wurden aus den Wagen in ihren neuen Boxen geführt.

Larissa trieb die Hühner in ihrem neuen kleinen Stall und zeigte ihnen ihr neues Holzhaus. „Hier! Ist es nicht hübsch?“ Fragte sie die Hühner. Aufgeregtes Gackern ertönte und die Federschar umkreiste sie. Glücklich japsend drehte Larissa sich im Kreis und streckte ihre Arme in den leuchtenden Himmel empor. „Seid hier glücklich und bringt mir viele Küken mit den ich spielen kann.“  Rief sie freudig aus.

Benjamin kümmerte sich liebevoll um seine kleine Schafsherde. Er streichelte jedes einzelne von ihnen. Sie werden dieses Jahr gute Wolle geben. Ihr Fell war dick und flauschig. Die Frauen werden eine Menge Arbeit vor sich haben. Bald würde er mit dem Scheren beginnen können.

Stephan, der jüngste der Männer hatte sich als erstes eine Axt geschnappt und fällte nun eine junge Birke nach der anderen. Sie würden noch viel Feuerholz benötigen und noch sehr viel mehr, um das erste Haus zu erbauen.

Cordelia hatte ihre Zeit damit verbracht die Vorräte aus dem Wagen in das Zelt zu verstauen. Zufrieden betrachtete sie ihr Werk und ging noch einmal zur Sicherheit die Vorräte durch. Zwei Säcke Mehl für das Brot, ein Korb voller Kohlköpfe, einen mit diversen Rüben und Kartoffeln. Ein paar Zwiebeln. Sie rechnete einmal durch, wenn sie alle sparsam wären würde das alles ausreichen, um bis zur nächsten Ernte durchzuhalten. Wenn die Männer noch ein paar Tiere schlachten und ein paar Fische fangen, vielleicht noch länger.

Emma und Larissa spielten ausgelassen Stein, Schere und Papier. Emma war mit ihrer Aufgabe die Zelte aufzustellen fertig und sie hatte Larissa erschöpft nachgegeben. „Aber nur einmal.“ „Tu nicht so erwachsen Emma!“ Beschwerte sich Larissa. Seit mehreren Monaten spielte Emma immer weniger mit ihr.

Emma verspürte ein schlechtes Gewissen gegenüber Larissa. Sie hatte kaum noch Zeit und Lust mit ihrer Nichte herumzutollen. Sie hatte so viele Aufgaben von ihrer Mutter zugewiesen bekommen, die ihr helfen sollten, sich an das Leben einer Ehefrau zu gewöhnen. Nähen, Sticken, Stricken, Häkeln, Stopfen, Einkochen und Einmachen, um nur einige zu nennen. Dazu kam noch die Arbeit auf dem Hof und die Ernte dazu. Oft viel sie spät abends einfach in ihr gemachtes Bett und schlief sofort ein. Die vergangene Reise war eine willkommene Abwechslung gewesen, da viele Arbeiten wegfielen und sie sich nur um ihre Näharbeiten kümmern musste. Sie hob ihren Kopf und ihr Blick fiel direkt auf Stephan der mit dem Fällen der Bäume beschäftigt war.

Ihr Herz klopfte wie jedes Mal bei seinem Anblick wie wild in ihrer Brust. Seit Jahren war sie heimlich in den Bruder ihrer Schwägerin verliebt, aber große Hoffnung machte sie sich nicht.  Er war doch viel zu hübsch und erwachsen für sie. In Emmas verliebten Augen war der unbeholfene Stephan perfekt.

Benjamin war derweil damit beschäftig sich die Bücher anzugucken. Er ging die Pläne für das zukünftige Haus seiner Eltern durch. Dies würde das erste sein, danach würde das für sich uns seiner Familie kommen. Zum Schluss würde das von Stephan kommen. Er würde solange bei Benjamin und seiner Schwester unterkommen.

Larissa war wieder bei ihren Hühnern und unterhielt sich mit der Schwangeren Gerda, ihre Lieblingshenne.  Emma ärgerte sich über den streitlustigen Hahn Bert, der sich immer so böse aufführte. Niemand mochte diesen Hahn, aber er kümmerte sich gut um seine Hennen und Küken.

Benjamin war mit dem Durchgehen der Bücher fertig und wollte noch ein paar Bäume fällen. Weiß Gott, sie würden noch viele Stämme brauchen für das erste Haus.

Cordelia nahm sich den böse schimpfenden Bert vor. „Du dummes böses Federvieh. Wart es nur ab, bis du einen Sohn bekommst, dann hau ich dir als Erste den Kopf ab.“ Empört, als hätte Bert sie verstanden bäumte er sich auf und wedelte wie verrückt mit seinen Flügeln.

„Aber Ma, so beruhige dich doch.“ Versuchte Emma sie zu besänftigen. „Es ist doch nur ein Hahn.“

Benjamin, erschöpft von der harten Arbeit schaute sich den Sonnenuntergang an. „Was ein schönes Land.“ Dachte er sich. „Hier werden wir ein gutes Leben haben.“

Die Sonne ging langsam unter und als es endlich dunkel war, entzündeten die Männer das Feuer und die Frauen kochten ein schnelles Abendessen.

Allmählich wurde es Schlafenszeit und so brachte Constance ihren Jüngsten zu Bett. „Schlaf schön mein Schatz.“

Als auch Emma und Stephan in ihren Zelten verschwunden waren, saßen nur noch die Erwachsenen am Feuer. Sie besprachen die Aufgaben für morgen. Benjamin erklärte sich dazu bereit sich morgen um den Brunnen zu kümmern und Frank würde mit Stephan gegen Abend zum nahgelegenen verlassenen Steinbruch fahren um dort geeignete Steine für den Brunnen und den zukünftigen Kamin zu besorgen.

Frank war schon vor einer Weile ins Bett gegangen und nun folgte ihm seine Frau ins Zelt. Constance und Benjamin saßen nun allein und träumten von der bevorstehenden Zukunft und vielleicht von einem dritten Kind.

Nun war endlich der Erste Tag vorüber und die Siedler schliefen friedlich in ihren Zelten.

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