12. Eine unangenehme Situation

Ich setzte gerade zu einer Frage an, da ging die Tür auf und Martha kam mit einem dampfenden Wassereimer herein. Sie war beladen mit Bettwäsche und noch anderen Sachen. Schnell ging ich auf sie zu und nahm ihr den Eimer ab.

»Danke, Kleines.« sagte sie erschöpft. »Sollte doch nicht mehr so viel auf einmal nehmen. Man wird halt nicht jünger.« Herzhaft lächelte sie. Ich erwiderte ihr Lächeln und schaute mich noch einmal verwirrt zu Taran um. Er hatte uns den Rücken zugedreht und starrte aus dem Fenster in die dunkle Nacht hinaus. »Das Wasser kannst du da vorne in die Schüssel geben, dann könnt ihr euch Beide waschen. Seife habe ich euch gleich mitgebracht und für dich etwas Trockenes zum Anziehen.«

»Danke, das ist sehr nett von Ihnen, Martha.«

»Du brauchst mich doch nicht zu Siezen, Kindchen« sie lachte glucksend. Beschämt röteten sich meine Wangen wieder und ich nickte. »Taran, deine Sachen vom letzten Besuch, hängen noch im Schrank!«

»Danke, Martha.« sagte er gedankenverloren, doch er drehte sich nicht um.
»Im Korb ist auch noch was Kleines zu Essen. Ich wünsche euch Beiden dann eine gute Nacht.« Sie strich mir aufmunternd über meine rechte Wange und ließ uns wieder allein. Als die Tür geschlossen war, drehte ich mich langsam wieder zu Taran um und räusperte mich.

»Nein, für Heute ist es genug. Du kannst dich als erstes waschen.« sagte er ruhig, aber bestimmt.

»Aber … .«

»Nein, Lucilla! Wir sind beide erschöpft und ich würde gerne bald schlafen also wasch dich bitte.« Er drehte sich um und sah auffordernd zur Waschschüssel. Ich zog die Brauen hoch. Nun gut, ich war wirklich erschöpft und ich würde ihn morgen noch weiter ausquetschen können. Ich nahm den Eimer und schüttete etwas heißes Wasser in die Schüssel. Langsam stellte ich ihn wieder ab und räusperte mich. »Was denn nun?« fragte er und schaute mich genervt an.

»Würdest du … nun« ich sah zur Tür. Er sah mich weiter genervt an und schien meine Andeutung nicht zu verstehen. Ich räusperte mich wieder, diesmal aus Verlegenheit, dies auch noch sagen zu müssen. »Würdest du bitte rausgehen so lange ich mich wasche?« Ich merkte wie ich glühte und er kräuselte nachdenklich seine Stirn. »Bitte« versuchte ich es nochmal.

»Nein.« Überrascht zog ich scharf die Luft ein.

»Und warum nicht?« fragte ich verärgert.

»Wie ich dir schon sagte, bist du nicht nach meinem Geschmack. Ich werde mich aber so lange umdrehen, wenn es dir dadurch etwas leichter fällt.« Sagte er herablassend, als wäre ich ein Kind. Dieser Arsch, ich würde ihm am liebsten den Hals umdrehen!

»Dann mach wenigstens das verdammte Fenster zu!« presste ich wütend hervor.

»Wenn du meinst.« Er schloss das Fenster und schaute weiter nach draußen. Ich versuchte mich zu beruhigen und atmete tief ein. Das machte ich in letzter Zeit sehr häufig. Wütend zog ich mir meine Kleider aus und blieb an der Hose hängen. Sie war noch zu klamm und ich bekam meinen rechten Fuß nicht richtig raus. Ich humpelte wie bescheuert auf meinen linken Fuß und zog wie wild an meinem Hosenbein.

»Jetzt mach schon«, zischte ich durch die Zähne.

»Kommst du klar oder soll ich dir helfen?« kam es von Taran.

»Wehe du drehst dich um!« brüllte ich ihn an.

»Schon gut. Ich wollte nur behilflich sein.« Nach einem kurzen prüfenden Blick sah ich das Taran immer noch nach draußen schaute. Erleichtert atmete ich aus und zog nochmal kräftig am Hosenbein und landete auf meinem Hintern, aber der Fuß war draußen. Schnell stand ich wieder auf und zog auch meine Unterwäsche aus, aber nicht ohne mich nochmal prüfend nach Taran umzuschauen. Ich griff mir die süß duftende Seife und einen Schwamm, den ich bei der Seife fand und fing an mich zu waschen. Erleichtert entkam mir ein tiefer Seufzer. Gott, fühlte sich das gut an. Viel zu schnell war ich wieder sauber und trocknete mich ab. Schnell schlüpfte ich in das Nachthemd was mir Martha dagelassen hatte.

»Ich bin fertig«, sagte ich zu Taran und ging zum Bett hin. Ich nahm mir die Bettwäsche und bezog das Bett. Taran drehte sich um und ging zur Schüssel. Er nahm sie in die Hand und ging dann damit zurück zum Fenster. Er öffnete dies und schüttete den Inhalt nach draußen. Das Fenster machte er wieder zu.

»Nimm dir noch was zu Essen.« Das sagte er fast führsorglich. Nachdenklich zog ich die Brauen zusammen und ging zum Korb. Ich nahm mir ein paar belegte Brote und setzte mich damit auf das frisch gemacht Bett. Herzhaft biss ich hinein. Taran goss sich neues Wasser in die Schüssel und zog sich aus. Ich hörte auf zu kauen.
Klar hatte ich schon nackte Männer gesehen. Im Fernsehen oder in Zeitschriften. Also der Anblick war an sich nichts Neues für mich. Nur sah ich noch nie einen nackten männlichen Körper live und schon gar nicht so … . Ich schüttelte den Kopf. Reiß dich zusammen!

»Hast du keinen Hunger?« fragte Taran gedämpft, während er mit dem nassen Schwamm über seinen Rücken fuhr und sich mehrere Wasserperlen den Weg zu seinen festen Pobacken bahnten.

»Doch« piepste ich.

»Und warum isst du nicht?«

»Woher weißt du, dass ich nicht esse?« fragte ich verwundert.

»Ich kann im Fenster sehen wie du mich anstarrst.« Sagte er gleichgültig. Ich schreckte hoch und ließ das Brot fallen. Mir wurde heiß und mir kam ein schrecklicher Gedanke. Ich stürzte zum Fenster hin und zwar zur gleichen Stelle wo Taran vorhin stand. Ich sah zum Fenster und konnte Taran genau von der Seite sehen. Mein Herz blieb stehen. Er hat mich gesehen. Er hat mich nackt gesehen! Mein Herz fing wieder zu schlagen an und unglaubliche Scham und Wut kroch in mir hoch. Ich drehte mich zu Taran um und stürzte mich auf ihn.

Er riss noch erschrocken die Augen auf, aber da war es schon zu spät. Blind vor Wut schimpfte ich und spuckte jede Verwünschung, die mir einfiel, aus. Ich schlug auf ihn ein. Biss und kratze ihn. Er versuchte mich abzuwehren, aber er tat mir nicht weh. Ich merkte wie mir die Tränen kamen und schlug weiter auf ihn ein.

»Du Schwein. Du arrogantes … .«

»Lucilla, beruhige dich!« sagte er mit einem wilden Blick.

»Ich … ich soll mich beruhigen? Spinnst du« spuckte ich aus. Ich war so rasend vor Wut. Noch nie hatte mich ein Mann nackt gesehen. Konnte er nicht verstehen, wie schlimm das für mich war? Ich holte aus und schlug mitten in sein Gesicht.

»Autsch« sagte er und ihm kamen die Tränen. Genugtuung keimte in mir auf, aber ich fühlte mich auch gleichzeitig schuldig. Er versuchte nach meinen Händen zu greifen und ich stellte ihm ein Bein. Wir verloren das Gleichgewicht und stürzten zu Boden. Dabei riss ich ihm das Tuch aus dem Gesicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: