11. Taran oder Tarrant?

»Kingsleigh? Wie Alice Kingsleigh?« fragte Martha mit quietschender Stimme.

»Alice ist ihre Großmutter« erklärte Taran leise und sah wieder zu Cheshire.

»Mein Gott«, Martha holte tief Luft und ihr Gesicht wurde rot wie eine Tomate. »Ich brauch einen Schnaps. Will noch wer?« fragte sie zerstreut und ging, ohne abzuwarten in das nächste Zimmer. Wir hörten das Quietschen von Schränken und das Klirren von Glas. Kurz darauf kam Martha mit einer großen braunen Flasche und vier Gläsern zurück. Sie stellte alles auf einen kleinen Tisch vor den Kamin ab und schraubte unverzüglich die Flasche auf. Sie schenkte allen etwas ein und überreicht mir als Letzte das Glas. »Das wird dich wärmen, Kindchen.«

»Danke« sagte ich noch bibbernd und nahm das Glas mit beiden Händen entgegen. Fest umschloss ich es, damit es mir nicht aus meinen zitternden Händen rutschte. Ich nippte kurz an der würzig duftenden Flüssigkeit und riss meine Augen auf. Ich hustete wie verrückt und klopfte mir heftig auf die Brust. Was war das nur für ein Gebräu? Ich war 21 Jahre alt und trank nicht zum ersten Mal Alkohol, aber so was Starkes war mir noch nie untergekommen. Ich vernahm ein brummiges Lachen und blickte auf. Beys prostete mir mit einem Zwinkern zu.

»Anscheinend ist sie keinen Alkohol gewöhnt.« stellte er fälschlicherweise fest. Taran stupste ihn von der Seite an und nickte auffordernd zu Chess. »Ja, natürlich. Kein Grund zur Eile, er schafft das schon!« Tarans Gesichtsausdruck zu urteilen, beruhigte ihn diese Aussage kein bisschen und das schien auch Beys zu bemerken. Er stöhnte spielend gequält auf. »Ich mach ja schon. Und ihr Beiden werdet jetzt meiner Martha nach oben folgen. Wir sehen uns dann morgen früh!«

»Na kommt ihr zwei Hübschen. Ihr könnt das Gästezimmer haben. Was für ein Zufall das ich es erst zurecht gemacht habe.« flötete sie. Schnell trank ich mein Glas in einem Zug leer und stellte es zurück. Ich schritt auf Martha zu, aber Taran machte keine Anstalten uns zu folgen.

»Das war keine Bitte, Taran! Du gehst dich jetzt ausruhen! Ich brauche Ruhe für meine Arbeit!« stellte Beys klar und sah Taran fest in die Augen. Dieser funkelte ihn böse an und wandte sich ohne eine Erwiderung von ihm ab und ging auf uns zu. Erleichtert das er keinen Aufstand veranstaltete, lächelte ich ihn aufmunternd zu. Sein Blick verdüsterte sich daraufhin nur noch mehr und schnell drehte ich mich zu Martha um. Dann eben nicht! Soll er doch an seinen düsteren Gedanken verrotten! Dachte ich verärgert.
Wir wurden die Treppe hochgescheucht und landeten in einem schmalen Flur, wo es nur drei Türen zu geben schien. Vor einer hielt Martha an und öffnete die Tür. Ich machte einen Schritt hinein und erstarrte.

»Was hast du Kindchen?« fragte sie verwundert. Taran schien mein seltsames Verhalten egal zu sein. Er schritt mit großen Schritten an mir vorbei und ging zum Fenster. Er zog die Vorhänge beiseite und öffnete das Fenster. Kalte Luft strömte ins Zimmer herein und das wo ich gerade einigermaßen aufgewärmt war. Noch immer sah mich Martha fragend an und eine heiße Wärme stieg mir in die Wangen.

»Es gibt nur ein Bett« piepste ich. Ich sah wie Taran die Augen verdrehte und Martha verständnisvoll nickte.

»Da hast du Recht, aber mehr kann ich euch leider nicht anbieten« gab sie entschuldigend zurück. Taran entfernte sich vom Fenster und stellte sich hinter mich. Seine Hände ergriffen meine Schultern und er lehnte sich dicht zu mir. Sein Kopf war jetzt direkt neben den meinen.

»Danke, Martha. Das ist wirklich nett von euch Beiden. Das Zimmer wird für uns vollkommen ausreichen. Nicht war, Lucilla?« Fast drohend funkelte er mich an und drückte fest meine Schultern. Ich konnte nur noch zustimmend nicken. Erleichtert gab Martha ein Seufzer von sich.

»Da bin ich ja erleichtert. Ihr könnt eure Sachen schon mal ablegen. Ich werde euch gleich warmes Wasser zum Waschen hochbringen und etwas zu Essen.«

»Danke, Martha.« Er lächelte sogar. Jedenfalls nahm ich das an bei dem verräterischen Zucken seines Gesichtstuches. Martha verschwand aus dem Zimmer und ließ mich mit Taran allein zurück. Bevor er mich wieder losließ flüsterte er mir noch was in mein Ohr. »Ich werde dich schon nicht anspringen. Du bist nicht nach meinem Geschmack!« Wut kochte in mir hoch und ich drehte mich zu ihm um.

»Was fällt dir eigentlich ein? Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich hier mir dir, einen Fremden in einem Zimmer und dazu noch in einem Bett schlafe?« keifte ich. Verwundert hob er seine Brauen und verschränkte seine Arme.

»Du kannst auch gerne, draußen auf den Boden schlafen, wenn dir das lieber ist.« Wieder zuckte sein Tuch verräterisch. Wütend stampfte ich auf ihn zu.

»Was ist eigentlich mit deinem Gesicht? Warum versteckst du es hinter einem Tuch? Hast du etwa etwas zu verstecken? Vielleicht eine überdimensionale große Nase?« Ich streckte meinen Arm aus und versuchte ihm das Tuch wegzureißen, doch flink wich er meiner Hand aus und fing sie ab. Fest umschloss er mein Handgelenk und funkelte mich wütend an.

»Versuch das nie wieder« sagte er zischend. Ich lächelte zuckersüß.

»Warum? Was machst du dann? Brichst du mir dann meinen Arm?« Sofort ließ er mein Handgelenk los und nahm etwas Abstand zu mir. Ich machte einen Schritt auf ihn zu und er wich weiter zurück. »Wie lautet jetzt eigentlich dein Name? Bist du Taran oder Tarrant? Bist du nun der Hutmacher oder nicht?« Alle schien die Wahrheit zu kennen, nur ich nicht! Und das ging mir ziemlich gegen den Strich.

»Taran«, kam es prompt von ihm. Ich ging weiter auf ihn zu und er wich immer weiter zurück. Was ist das hier? Ein Katz und Maus Spiel?

»Und warum nennen dich dann alle als erstes Tarrant?« Misstrauisch beäugte ich ihn, wie er immer weiter angespannt von mir zurückwich. Er zuckte mit den Schultern und schwieg.

»Also bist du nicht der Hutmacher?« Ich blieb stehen. Seine Augen funkelten wie zwei grüne Smaragde.

»Doch, ich bin DER Hutmacher!« kam es grollend von ihm. Überrascht zuckte ich zurück.

»Aber du bist nicht Tarrant?«, fragte ich zögernd.

»Doch, auch der bin ich.« Verwirrt schüttelte ich meinen Kopf und er schien zu verstehen. »Ich bin Taran und Tarrant, bloß Tarrant weiß davon nichts!« gab er erklärend von sich. Ich verstand rein gar nichts. War ich bis eben nur wütend darüber mit einem sturen Fremden unterwegs zu sein, so war ich jetzt nur noch darüber verwirrt, was mir Taran da zu erklären versuchte. Ich begriff den Zusammenhang nicht und er stöhnte frustriert auf.

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